Proportio aequalitatis eine Erwägung zu Bonaventura, Itinerarium II 6


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Proportio aequalitatis eine Erwägung zu Bonaventura, Itinerarium II 6
1. Das Motiv und sein Kontext in Itinerarium II
2. Die Spitze des Gedankens
3. Trinitarische Radikalisierung
4. Ausweitung
5. Die Bedeutsamkeit des Gedankens

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[203] Wer einen Menschen, den er schätzt, durch ein Geschenk zu ehren sucht, der wird sich bemühen, ihm etwas von sich selber und zugleich etwas zu ihm selber zu schenken. Die Gabe soll zweierlei ausdrücken: den zu Ehrenden und zu Beschenkenden, den Ehrenden und Beschenkenden. Gerd Wolandt ist Philosoph, in dessen Denken ein Schwerpunkt die Ästhetik ist. Der Schreiber dieser Seiten ist Theologe, der sich mit Religionsphilosophie beschäftigt und dabei, ohne sich ansonsten auf die Scholastik zu konzentrieren, dem Franziskanertheologen Bonaventura begegnet ist. Das Schöne und das Verhältnis zum Schönen nehmen bei Bonaventura einen breiteren Raum ein als in der „klassischen“ Scholastik, wenngleich auch hier eine bedeutsame ästhetische Tradition vorliegt, die sich zumal in Augustinus verankert. Gerade im Feld des Schönen und seiner Wahrnehmung gehen Bonaventura Verhältnisse und Zusammenhänge auf, die sein geistliches und theologisches Interesse, sein Denken vom lebendigen Gott her und auf ihn hin, bestimmen. Bernhard Welte hat dazu einen wichtigen Artikel geschrieben: „Die Zahl als göttliche Spur – eine Bonaventura- Interpretation“.[1] Seine Gedanken hallen in mir als seinem Schüler nach.[2]

Es geht im folgenden nicht um eine Rekapitulation des in den genannten Untersuchungen Gesagten, sondern um die Besinnung auf ein meiner Vermutung nach noch nicht ausgeschöpftes Denkmotiv, das Bonaventura in einem seiner Hauptwerke, im Itinerarium mentis in Deum, und zwar dort im Kapitel II ins Spiel bringt, wobei die Formulierung des Motivs in II 6 vom Gesamttext des Kapitels umspielt und angeleuchtet wird. Das Stichwort lautet: Proportio aequalitatis. Kontexte und Motive innerhalb und außerhalb von Bonaventura ziehe ich nur im allernötigsten Maße heran; es geht um seinen Gedanken in sich und um seine Weiterführung von innen auf uns zu, auf die Frage nach Gott im Horizont des „ästhetischen Philosophierens“.

 



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