Das christliche Credo – Maßstab für ein entwicklungspolitisches Handeln


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Das christliche Credo – Maßstab für ein entwicklungspolitisches Handeln
I. Credo und Menschenbild
1. Der Schöpfer Himmels und der Erde und die Menschheit
2. Der Mensch, nicht nur Gottes Bild, sondern Gottes Sohn
3. Der eine Geist in vielen Zungen, der eine Geist in vielen Gaben
4. Vorläufiges und Endgültiges, Weg und Ziel
II. Einige Konsequenzen für Entwicklung und Entwicklungspolitik

 

 

4. Vorläufiges und Endgültiges, Weg und Ziel

Die letzten Strophen des christlichen Credo sprechen von jenem Ende, das wir nicht bereits im Verlauf dieser unserer Geschichte erreichen können und auf das sie doch von Jesus Christus her und in seinem Geiste zuläuft. Oder, noch besser, das Ende, jener, der Ende und Vollendung ist, läuft auf die Geschichte zu und ragt durch die, welche an ihn glauben, bereits in sie hinein. Wir können nie das Endgültige zwingen, das Vollkommene machen, aber es ist ebenso verhängnisvoll, dies zu überspringen und das Vollkommene utopistisch oder gewalttätig herbeizuzwingen, wie die Vollendung nur als ein Machspiel zu erhoffen, das uns davon dispensierte, an ihm Maß zu nehmen in der konkreten geschichtlichen Gestaltung menschheitlichen Zusammenlebens. Die Frage, auf welches Ende wir hoffen, ist entscheidend dafür, welchen Weg wir gehen und wie wir unseren Weg gehen. Wir hoffen auf ein Ende, das nicht nur Erfüllung des einzelnen, sondern allumfassende Gemeinschaft ist, in welcher Gott alles in allem ist, so aber jeder einzelne und alles Geschichtliche und Menschliche gewahrt, aufgehoben und vollendet sind. Wir hoffen auf ein Ende, in welchem der Anfang im Logos Gottes eingeholt und verwirklicht ist. Wir wissen, daß dieses Ende nur durch das Kreuz hindurch in der Auferweckung Jesu erreicht und erreichbar ist und uns derselbe Weg bevorsteht. Enttäuschungen [20] und Rückschläge, Verzicht und Umweg, angenommene Ohnmacht, das gehört zum Weg der Geschichte hinzu. Die Ernüchterung unrealistischer Hoffnungen ist Bedingung für das Wachstum einer tragfähigen Hoffnung. Wo aber das Ziel nicht nur „mein“ Gott, sondern „unser“ Gott, unser Leben mit ihm und miteinander ist, da wird es unausweichlich, nicht voneinander, nicht vom menschheitlichen Maß unserer Verantwortung für den Menschen und die Geschichte zu lassen.

Die Vollendung, auf die hin die in Jesus Christus und durch seinen Geist gegebene Berufung und Hoffnung hintendieren, steht aus. Aber die Liebe selbst, die uns solche Berufung und Hoffnung gibt, ist in Jesus Christus und durch seinen Geist schon Gabe und Aufgabe an uns, und aus dieser Liebe heraus ist es unsere Pflicht und unsere Möglichkeit, im Jetzt das Zeichen des Kommenden zu errichten.

 

 



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