Herbert Falken, Christusbild – Menschenbild


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Geleitwort zur Ausstellungseröffnung am 30.8.1986 im August-Pieper-Haus Aachen

[6] Lieber Herbert Falken, liebe Damen und Herren,

wer von Herbert Falken spricht, der darf von sich selber sprechen. Wer meint, er dürfe das nicht, oder wer nicht so ins Spiel kommt, daß er, von ihm redend, auch von sich zu sprechen anhebt, von dem sage ich nicht, er habe die Bilder von Herbert Falken nicht verstanden, sondern ich behaupte: er hat sie nicht gesehen. Ihr Gehalt ist kein moralischer Imperativ – „Denke jetzt über dich selber nach!“–, sie sind nicht in paränetischer Absicht „gemacht“, sondern die Botschaft dieser Bilder: das sind wir. Da bin ich einfach mit im Spiel. Und wenn ich sehe, dann sehe ich in ihm auch mich.

Deswegen darf ich am Anfang dieser kleinen Einführung etwas von mir sagen, konkret von der Weise, wie ich diese Einführung vorbereitet habe. Normalerweise versuche ich, mich unmittelbar vor einer Rede vorzubereiten, weil ich gerne aus solcher Unmittelbarkeit spreche. Bei Katholikentag und Heiligtumsfahrten stehe ich vor so vielen Anlässen, öffentlich zu sprechen, daß ich mir schon lange vorher Gedanken machen mußte. Das war zunächst möglich bei den Biidern von Herbert Falken; denn man kann nicht neben seinen Bildern leben, man muß mit ihnen leben. Ich gestehe gerne, daß in den elf Jahren, in denen ich nun im Bistum Aachen bin, mir seine Bilder zu einer beständigen, aufsässigen Erinnerung geworden sind; ich kann sie nicht abschütteln, sie gehen mir nach; es sind keine übergrellen Zeichen, die mich anschreien und denen ich doch ausweichen könnte, sondern sie treffen den inneren Nerv; sie gehen das Ich, mein Ich an. Nach der Begegnung mit diesen Bildern kann ich nicht so von mir weiter reden, als ob ich sie nie gesehen hätte.

Aus dieser aufsässigen Erinnerung hatte ich mir zunächst etwas zurechtgelegt, was ich sagen wollte und was ich jetzt auch sagen möchte. Aber ich bin damit in eine zweifache Krise geraten. Die erste war harmlos: es war die Krise des Glanzpapiers, es war die Krise des sehr schönen Buches. Durch die hervorragend zusammengestellten Abbildungen hat sich meine Erinnerung noch einmal aufgefrischt, ausgeweitet, hat sich geordnet, und auch in diesem Sinn ist manches anders und neu geworden. Aber das eigentlich Gefährliche passierte gestern: Ich bin allein durch diese Ausstellung gegangen, und plötzlich entdeckte ich, wie furchtbar arm, wie eng, wie schematisch, wie künstlich im Verhältnis zu dieser vitalen Fülle, zu dieser Vielschichtigkeit der Beziehungen das Wort ist, das ich vorbereitet habe und jetzt sagen kann. Eigentlich kann ich nur auffordern: Sieh!, Schau!, Wage dich hinein! Und in diesem Sinn möchte ich es wagen, auch mit einem armen Wort, mit einem bloßen Wort etwas zu sagen, damit ein Gespräch sich entspanne.

 

 



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