Ecce homo


Geleitwort des Bischofs von Aachen zu „Herbert Falken – Christusbilder“

 

[7] „Ecce homo – „Seht, da ist der Mensch!“ (Joh 19, 5) – „Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so daß wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, daß wir Gefallen fanden an ihm“ (Jes 53, 2). Und wiederum: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19, 37; Sach 12, 10). – „ich bin hingeschüttet wie Wasser, gelöst haben sich all meine Glieder. Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen“ (Ps 22, 15).

Blickpunkt, kristallisierte Gestalt – Zerfließen, Auflösung: beides gehört zusammen, beides ist dasselbe, nicht in einer grandiosen dialektischen Vermittlung, sondern im Ernst der Todesexistenz des Gekreuzigten, im Ernst des von Gott exemplarisch und erlösend gelebten und erstorbenen Menschseins. Es könnte keine aktuellere, zugleich christliche und künstlerische Aufgabe formuliert werden als jene, die im Werk von Herbert Falken zu einer eindrücklichen Lösung gerinnt: die Auflösung der Gestalt selber zur Gestalt werden zu lassen, das Zerfließende zu konzentrieren. Aber wenn diese Aufgabe und ihre Lösung so formal beschrieben wird, dann droht das, was sich hier ereignet, verharmlost zu werden. Das Ringen um sich und mit sich, das Ringen um den Menschen und mit dem Menschen, das Ringen um Gott und mit Gott ist die Sache dieses Ringens um die Gestalt.

Man muß sich von diesen Bildern mitnehmen lassen, bis man ankommt beim Menschen, ankommt bei Gott, ankommt bei diesem Zeugen Herbert Falken, ankommt bei sich selbst – und bei der Gestalt, die gespannt bleibt und so gerade doch stimmt.

Herbert Falken ist Maler und Priester. Das ist gefährlich. Wer mit Bildern predigen will, der droht Bildkraft durch Predigt zu ersetzen und so auch am Anspruch der Botschaft zu scheitern.

Wer aber die Botschaft nur zum „Vorwurf“ nimmt, zum Sujet, um daraus Kunst zu „machen“, dem droht die Sache in der Form, die Form in der Sache zu erkalten. Bei Herbert Falken ist es anders. Er ist einfach Maler und er ist einfach Priester. Und diese Spannung ist die Sache selbst, die Sache dessen, an dem sich nicht Schönheit noch Gestalt findet und der so doch das große Zeichen wird: Ecce homo.

+ Klaus Hemmerle

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