An einen Schüler der 3. Klasse


 

 

[65] Aachen, den 1. 10. 1979

Lieber Rolf!

 

Vor mir liegt auf meinem Schreibtisch eine ganz dicke Mappe mit vielen Briefen, die ich noch nicht beantwortet habe, weil ich sehr oft in letzter Zeit habe verreisen müssen. Jetzt nehme ich aber deinen Brief den anderen vorweg, denn ich habe viel Freude an deinem Brief gehabt und denke mir, dass du besonders auf Antwort wartest.

An deinen Bruder erinnere ich mich noch sehr gut; denn dass er meinen Bischofsstab für eine Lanze hielt, hat mir viel Spaß gemacht. Weißt du, eine Lanze wäre nicht das Richtige für einen Bischof. Denn eine Lanze ist eine Waffe, mit der man andere Menschen verletzen oder gar töten kann. Der Bischofsstab aber ist der Stab eines Hirten, der seine Schafe führt und zusammenruft. Wenn eines davonlaufen will, holt er es mit der Krümme des Stabes zurück, und wenn die Schafe den Hirten mit seinem langen Stab sehen, dann merken sie: Dem da vorne müssen wir nachlaufen.

Einen, zusammenhalten, den Weg zeigen – das ist die Arbeit des Bischofs und das dient dem Frieden, das tut [66] anderen nicht weh, sondern wohl. Deshalb bin ich auch gerne Bischof. Es ist nicht immer ganz leicht. Denn bis man die Vielen immer wieder auf einen Weg gebracht und zusammengehalten hat, kostet das viel Mühe. Und manchmal ist es auch nicht so leicht, den rechten Weg selber zu finden.

Lieber Rolf, wie wäre das, wenn du mir dabei helfen würdest, dass ich es als Bischof gut mache? Wenn du öfters einmal für den Bischof betest, dann hört der liebe Gott ganz besonders gut und hilft mir durch seine Gnade und sein Licht. Er hört auf niemand lieber als auf die Kinder. Ich bete aber auch für dich, für deinen Bruder, für deine Familie, für deine Klasse. Und ich schicke dir meinen Segen und grüße dich herzlich

dein

Bischof Klaus

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