An eine Schülerin


 

 

[112] Aachen, den 11. 11. 1982

Liebe Katrin!

 

Frau C. hat mir von dem „Problem“ geschrieben, von dem ich gut verstehen kann, dass es wichtig für dich ist auf deinem Weg zur Freundschaft mit Jesus. Du hast Freude am Leben, du hast Freude an der Welt, und du kannst dir nicht vorstellen, dass es Jesus anders gegangen sei als dir. Er hat ja die Welt geschaffen, er ist aus Liebe Mensch geworden, er wollte unser Leid mit uns teilen, um uns zu erlösen, aber sicher auch unsere Freude.

Dass Gott, der ewig lebt, im ewigen Glück, in der ewigen Freude lebt und uns an dieser Freude Anteil geben will, das ist ganz klar. Jesus ist der Sohn Gottes, und er will uns in diese Freude bringen. Daher sagt er uns: „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Ein [113] Wort, das heute bei uns anders klingt, das aber in seinem Ursprung bedeutet: Glanz, Licht, Fülle, strahlende Freude, einfach das, was das Leben festlich und froh macht, heißt: „Herrlichkeit", und da sagt Jesus in seinem Gebet zum Vater: „Ich habe ihnen (den Jüngern) die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast" (Joh 17, 22).

Nun ist es aber klar, dass das Besondere an Jesus gerade darin bestand, dass er als Sohn Gottes bereit war, auch mit uns Schmerz, Tod, Armut zu teilen. Daher spricht die Bibel mehr davon als von der Freude, die Jesus empfand. Aber er sagte seinen Jüngern: „Freut euch und jubelt!“ (Mt 5,12), und er sagte zu denen, die es jetzt schwer haben: „Selig, die jetzt weinen, denn sie werden lachen“ (Lk 6, 21). Wenn er aber die anderen zum Jubeln und Lachen auffordert, wenn er ihnen diese Freude verheißt, dann ist es ganz klar: Er selber hat diese Freude in seinem Herzen. So heißt es denn auch von Jesus selbst: „Er jubelte im Heiligen Geiste“ (Lk 10, 21). Er hatte da eine solche Freude an den Jüngern, an den einfachen Menschen, die ihm glauben, dass er eben in Jubel ausbrach, vom Heiligen Geist ganz mit Freude erfüllt. Das Wort „jubeln“ heißt, wörtlich gelesen, in eine freudige Bewegung geraten, innerlich oder äußerlich „Luftsprünge“ machen. Und dieses Wort sagt die Bibel von Jesus! Seinen Gegnern fiel auf, dass er am normalen, auch fröhlichen Leben der Menschen teilnahm. Das war für sie sogar der Grund, zu denken, das könne doch nicht der Messias sein, einer, der nicht streng und du; sich von der Freude der Menschen zurückzieht. Jesus seit sagt von sich: „Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt“; darauf sagen sie (die Gegner): „Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!“ (Mt 11, 19). [114] Sicher, Jesus hat auch es fertig gebracht, 40 Tage zu fasten. Aber er war der Mensch, der an unserem ganzen Leben teilnehmen wollte, der sich mit uns eins machte in allem außer in der Sünde. Und so darfst du also wissen: Derjenige, mit dem du in Freundschaft leben willst, Jesus, ist ein froher Mensch, einer, der Ja sagt zum Leben. Aber er ist nicht abhängig davon, dass es immer nur Sonnenschein und Fröhlichkeit gibt, sondern er verliert die innere Freude des Herzens auch dann nicht, wenn es heißt, aus Liebe zu uns das Kreuz zu tragen, der Freund derer zu sein, die es schwer haben, sich um die Kleinen und Schwachen zu kümmern. Ich muss es von mir selber sagen und kann es von vielen meiner Freunde und Bekannten sagen: Je mehr wir einfach ohne Angst vor dem Kreuz die Freundschaft mit Jesus leben, desto froher werden wir, desto mehr können wir auch lachen und wachsen über die „miese“ Stimmung hinaus, die so viele Menschen heute bedrückt. Und das wünsche ich dir ebenfalls von Herzen.

 

Einen lieben Gruß und ein frohes Gedenken

 

dein

Klaus Hemmerle

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