Baader, Franz v.


 


[1161] Baader, Franz v., jüngerer Bruder des vorigen, Philosoph, * 1765 München, …† 1841 ebd.; studierte Medizin u. Bergfach, 1792-96 in Engl., dann in München, 1826 Honorarprofessor für spekulative Theologie an der Univ., versuchte eine Rußlandreise aus der Idee der Una Sancta; kath., polemisierte zeitweilig gg. den päpstl. Primat, unterwarf sich aber auf dem Sterbebett; geistesgeschichtl. Beziehungen u. a. zu Thomas v. Aquin, Eckehart, Saint-Martin, bes. aber zu J. →Böhme; Auseinandersetzung mit Kant, Einfluß auf Schelling (Freiheitsschrift), Wechselwirkung mit Hegel; Anreger für die Romantik, die kath. Tübinger Schule, für Deutinger u. Kierkegaard. Sein Stil ist dunkel, symbolreich, sein Werk umfängl., äußerl. planlos, doch innerl. geschlossen, der Gedanke eigenständig u. genau. Phänomenaler Anlaß: Akt des wollenden Anfangs („Blitz“). Inhalt: die Einheit v. Einung u. Unterscheidung zw. frei schaffendem Gott u. Schöpfung. Das Erkennen fängt seinshaft (nicht je faktisch) an mit dem Innewerden des personalen Anspruchs der unbedingten Wahrheit („Cogitor, ergo cogito, ergo sum“), das Wissen mit dem (philos.) Glauben als seiner Annahme. Die Struktur des geistigen Akts ist die Seinsstruktur überhaupt: die „Ursache“ kommt nur durch den „Grund“ (die aufnehmende, feststellende Fassung) z. „Geisten“ (Wirken), das den „Leib“ erbildet (Leiblichkeit nicht notwendig materiell, sondern Offenbarkeit, Gleichgewicht v. Insichbleiben u. Aussichgehen). Die Gründung wird vermittelt durch die „Idee“ (die in sich allein unoffenbare Fülle) u. die „Natur“ (das in sich allein leere Bedürfen, durch das die Fülle als solche offen wird). In Gott ist die Natur absolut „aufgehoben“ in die Idee. Im Geschöpf geschieht der Durchgang v. der „Unschuld“ (stille Selbstverständlichkeit der Idee) z. bewährten Entschiedenheit der Idee durch die „Versuchung“ (Spannung zw. Idee u. Natur) hindurch. Die Welt bezeugt in ihrem fakt. Zustand ihr „Gefallensein“ in der Versuchung u. bedarf z. vollendenden „Versöhnung“ der erlösenden Hilfe Gottes. Der Mensch ist das Zusichkommen des Gottbezugs der [1162] Welt, somit der Ort der Weltvollendung in der (v. „Fall“ unabhängigen) Menschwerdung Gottes. – Vgl. auch Androgyn.

WW: F. v. B.s sämtl. WW, 16 Bde, ed. v. F. Hoffmann u. a. (L 1851-60) (HW: Fermenta Cognitionis [1822-25] u. Vorlesungen üb. spekulative Dogmatik [1828-38]) Lettres inédites, ed. v. E. Susini, 3 Bde (P 1942-51).

Lit.: D. Baumgardt, F. v. B. u. die philos. Romantik (Hl 1927); E. Susini, F. v. B. et le romantisme mystique II u. III (P 1942); Meyet AW IV.


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