Androgyn




[522] Begriff der anthropolog. (männlich-weibl. Urmensch) u. theol.-ontolog. Spekulation (u. a. bei Piaton, Philon, in der Gnosis, bei den Vätern, F. v. Baader, Solowjew). Er enthält 2 Komponenten: 1) Männlich-weiblich sind die Pole der Urspannung des Seins: aktiv-übergreifende Ursprünglichkeit u. rezeptiv-bewahrende, ihr Bestand u. Wirksamkeit gebende Fassung. Im Geist ist die Spannung in Identität aufgehoben, nicht nivelliert. 2) Die Trennung der Pole in den Plural der Individuen zeigt den nachträgl. Bruch im Kosmos an, der bei Baader als Offenlegung des Bruchs mit Gott Heilsfunktion hat.

Lit.: A. Orbe: EE 29 (1955) 299-344; G. Koepgen, Die Gnosis des Christentums (Sa 1989) 315-320; F. v. Baader, Über Liebe, Ehe u. Kunst, ed. H. Grassl (Mn 1953) (Ausw.); E. Benz, Adam. Der Mythos v. Urmenschen (Mn 1955).

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