Geistige Hintergründe des Terrorismus


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Geistige Hintergründe des Terrorismus
Theologische und pastorale Folgerungen

[67] In ihrer tiefschürfenden Analyse hat Frau Dr. Baeyer-Katte auf vier Gruppen hingewiesen, die im Kontext des Terrorismus eine Rolle spielen: die Opfer, die Terroristen selber, die beobachtende Öffentlichkeit und schließlich die noch Unschlüssigen, die bewegt werden sollen. Genau das In­einander dieser Gruppen war es, was die Deutsche Bi­schofskonferenz bei ihrem Wort zu „Ursachen des Ter­rorismus und Voraussetzungen seiner Überwindung“ (April 1978) beschäftigt hat. Wenngleich aus verschiede­nen Richtungen kommend und unter verschiedenem Blickwinkel beobachtet, stehen die Aussagen der Bischofskonferenz und entsprechend auch meines Refera­tes mit den Ausführungen von Frau Dr. Baeyer-Katte in einem inneren Zusammenhang. Es konnte nicht Sache der Bischöfe sein, eine Analyse des Terrors in sich oder eine Psychologie der Terroristen vorzulegen. Es ging ihnen vielmehr um das Phänomen des Terrorismus, inso­fern es einen jeden betrifft. Wenn Terror Resonanz hat, dann hat diese Resonanz etwas mit der Wirksamkeit des Terrors selber zu tun; denn das, was mir Resonanz gibt, stimuliert mich zum Handeln. Wenn also von unserer Resonanz die Wirksamkeit des Terrors mitbedingt ist, dann müssen wir uns selber auf jene Haltungen und Handlungsweisen hin besinnen, die dem Terror die von ihm gewünschte Wirkung nicht geben.

[68] Die nahezu selbe Frage stellt sich aber auch von einer an­deren Seite, und hier war der systematische Ansatz­punkt, den das Wort der Bischöfe aufgegriffen hat. Die uns heute als Terroristen begegnen, sind Menschen, die wir kennen, die uns nicht fremd sind. Es sind Menschen, die sich früher ganz ähnlich wie wir verhalten, dieselben Vorlesungen besucht, vielleicht auch eine Zeit lang in denselben Gruppen mitgelebt haben. Und wenn wir nach Jahren fragen, was aus ihnen geworden ist, dann finden wir sie im Umkreis der Terrorszene. Wie ist es möglich, fragen wir uns, daß von Menschen, die aus einem selben Erlebniskontext herausgewachsen sind, die einen zum gewalttätigen Protest gegen unsere Gesell­schaft antreten und andere unsere Gesellschaft mittra­gen? Von daher die Rückfrage der Bischofskonferenz an uns alle: Wo waren vielleicht latent Voraussetzungen ge­geben für das Wachsenkönnen des Terrors, für die Ent­stehung seines weiteren Kontextes? Diese Rückfrage entfalten die Bischöfe in eine dreifache Richtung: Was ist da vorgegangen in einem menschlichen Herzen, im Rin­gen eines Menschen um Sinn und um Dasein, daß er diese Entwicklung nehmen konnte? Was ist in der Gesell­schaft los, daß aus ihrer Mitte Leute mit einem totalen Protest gegen sie herangewachsen sind, wo liegt die in­nere Schwäche und Anfälligkeit unserer Gesellschaft, daß sich solche Ideen und Praktiken zu sehr ausweiten können? Und schließlich ein drittes, und das muß uns besonders betreffen: Wir leben in einer Welt, in der na­hezu jeder irgendwo und irgendwie mit Kirche und mit Christentum und seinen Wertvorstellungen in Bezug ge­standen ist. Warum sind Christentum und Kirche für diese Menschen nicht zur wirksamen Alternative gewor­den?

 

 



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