Wie als Priester heute leben?


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Wie als Priester heute leben?
1. Wichtiger ist, wie ich als Priester lebe, als was ich als Priester tue.
2. Wichtiger ist, was in mir Christus tut, als was ich selber tue.
3. Wichtiger ist, daß ich die Einheit im Presbyterium lebe, als daß ich in meiner Aufgabe allein aufgehe.
4. Wichtiger ist der Dienst des Gebetes und des Wortes als der Dienst an den Tischen.
5. Wichtiger ist, die Mitarbeiter geistlich zu begleiten, als möglichst viele Arbeiten selbst und allein zu tun.
6. Wichtiger ist, an wenigen Punkten ganz und aus­strahlend dazusein, als an allen Punkten eilig und halb.
7. Wichtiger ist Handeln in Einheit als noch so perfektes Handeln in Isolation. Also: Wichtiger ist Zusammenarbeit als Arbeit, wichtiger communio als actio.
8. Wichtiger, weil fruchtbarer, ist das Kreuz als die Effektivität.
9. Wichtiger ist die Offenheit fürs Ganze (also für die ganze Gemeinde, fürs Bistum, für die Weltkirche) als noch so wichtige partikuläre Interessen.
10. Wichtiger ist, daß allen der Glaube bezeugt wird, als daß alle herkömmlichen Ansprüche befriedigt werden.
Nachtrag

 

 
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Wie als Priester heute leben?
Versuch einer geistlichen Orientierung
Zusammen mit Wilhelm Breuning
 
[1] Vorwort

Unter den Sorgen der Bischöfe muß die Sorge um ihre Priester ganz obenan stehen. Der Bischof ist zuerst Bischof für die Prie­ster, und er ist es nur, wenn er Priester mit seinen Priestern ist. Das hat die Deutsche Bischofskonferenz dazu bewogen, wäh­rend ihrer Herbstvollversammlung in Ful­da vom 21.-24. September 1981 einen Studientag der Frage zu widmen, wie die Situation der Priester heute geistlich zu be­stehen ist, wo Ziele und Maßstäbe, aber auch Wege und Möglichkeiten liegen, das Priestersein glaubwürdig zu leben unter Bedingungen, die den priesterlichen Dienst vielfältig belasten.

Die folgenden Überlegungen greifen einen Gedankenkreis aus diesem Studientag der Deutschen Bischofskonferenz wieder auf. Es ist zu betonen: nur einen Gedanken­kreis. Zunächst hatten die Bischöfe ver­sucht, gemeinsam in aller Nüchternheit die Situation des Priesters und seines Dienstes zu sehen, wie sie ist. Dem wurde sodann, sozusagen als Kontrast, der Versuch einer geistlichen und theologischen Orientie­rung gegenübergestellt: Wie kann priester­liche Identität heute gewahrt und neu ge­wonnen werden? Aufgrund von Vorarbei­ten der Kommission der Deutschen Bi­schofskonferenz „Geistliche Berufe und kirchliche Dienste“ haben die beiden Un­terzeichnenden Überlegungen hierzu vorgetragen, die in den nachfolgenden Texten über den Kreis der Bischofskonferenz hin­aus zugänglich gemacht werden sollen.

Es war den Autoren wie auch der Bischofs­konferenz deutlich, was solche Orientie­rungspunkte für Leben und Dienst des Priesters leisten und nicht leisten können. Wenn sie als Orientierungspunkte aner­kannt und mitgetragen werden, dann kön­nen sie zu jener beständig notwendigen Umkehr beitragen, ohne die priesterliches Wirken und priesterliche Existenz sich fest­fahren. Es wäre also nützlich, wenn jeder Priester sich die Frage stellte: Kann ich mich selber so sehen und verstehen? Wo und warum geht es bei mir nicht, einer derartigen „Zielangabe“ zu entsprechen? Wo empfinde ich innerlich Spannung und Widerspruch zu ihr? Ein Anstoß zu sol­chem Nachdenken wollen die nachfolgenden Texte sein. Sie wollen aber nicht sein:

- eine von oben verordnete Spiritualität des Priesters; priesterliche Spiritualität kann nicht ohne communio wachsen, Ver­ordnung und Reglementierung gewährlei­sten diese aber nicht –

- ein systematisches Gebäude priesterli­cher Spiritualität; die Vielfalt der Gestalten geistlichen Lebens, die verschiedenartigen Akzentsetzungen sind ein Reichtum, der nicht eingeebnet werden darf –

- ein Alibi für strukturelle Konsequen­zen, die fällig sind, damit das „Idealbild“ nicht bloß ein fernes Ziel bleiben muß; die Bischofskonferenz hat in einem weiteren Abschnitt ihres Studientages die Frage nach praktischen Schlußfolgerungen auf­gegriffen –

- etwas, das die Bischöfe den anderen sagen, statt es zuerst sich selber zu sagen; dies wurde ganz deutlich: Wenn wahr ist, was hier als Maßstab aufleuchtet, dann muß dies auch den Bischöfen selbst in ih­rem Leben und Dienst wehtun, sie zur Umkehr bewegen.

 

Bonn und Aachen, im April 1982

 

Wilhelm Breuning                          + Klaus Hemmerle

 



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