Erfahrungen mit Wort und Sakrament


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Erfahrungen mit Wort und Sakrament
I. Grundlegung in der Inkarnation
1. Wort als „Sakrament“ – Sakrament als „Wort“
2. Spezifische Zeitlichkeit
3. Spezifische Räumlichkeit
II. Wort und Sakrament als „Erfahrung“
1. Die „Sache“ von Wort und Sakrament
2. Entfaltungsraum für Wort und Sakrament
III. Erfahrungen mit Wort und Sakrament – ein persönlicher Versuch
1. Das Wort leben
2. Die Sakramente leben

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[69] Freunde, so darf ich sagen, liebe Schwestern und Brüder, für mich ist es bewegend und erfreulich, in diesem Kreis sprechen zu dürfen. Gemeinsame Erfahrungen im Wort mit vielen nichtkatholischen, gerade mit vielen evangelischen Mitbrü­dern gehören zu dem in meinem Leben, was mich wirklich mitprägt, und so spreche ich eigentlich nicht über einen Gegenstand, sondern ich spreche über etwas, was ganz unmit­telbar zu meinem eigenen Leben gehört. Ich darf noch neben­bei anmerken, ich habe vor kurzem in Rom eine Zeit geistli­cher Einkehr gehalten, und meine Brüder, mit denen ich sie gehalten habe, waren sechs katholische Bischöfe und sechs Bischöfe aus der orthodoxen, anglikanischen und evangeli­schen Kirche. Es war kostbar für mich, einmal miteinander drei Tage ganz unkontrovers – nicht irgend etwas ausklam­mernd, aber – einfach so, wie wir sind, uns einander und in unserem Miteinander das Wort Gottes zu geben und so drei Tage beisammenzusein. Ich möchte daraus auch jetzt eine Art unbefangenen Zeugnisses werden lassen, bei dem ich nicht kontroverse Punkte thematisiere, aber den Mut habe, und zwar den brüderlichen Mut habe, Erfahrungen, die auch spezi­fisch katholisch sind, Ihnen weiterzugeben. Ich tue es deswe­gen, weil ich selbst die Erfahrung gemacht habe, daß ich das, worum es dem Partner geht, der aus einer anderen Kirche, einer anderen Konfession kommt, am besten verstehe, wenn ich seine Erfahrung, die er mit dem Glauben gemacht hat, verstehe; ich sehe im Licht dieser Erfahrung dann das Theologumenon, das er mir vorträgt, anders, als wenn ich nur darüber nachdenke.

[70] Ich sage dies nicht im Sinn einer antireflexiven Erfahrungstheologie, die nicht vom Wort Gottes ausginge, das wäre meiner Meinung nach schrecklich und ungerecht. Aber ich glaube, wie dieses Ausgehen vom Wort Gottes tatsächlich vom Geist geleitet werden kann, das bewährt sich sehr oft gerade in einer lebendigen Erfahrung.

 



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