Einleitung zum Dokument: Der priesterliche Dienst


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Einleitung zum Dokument: Der priesterliche Dienst
A. Vorbemerkungen 1. Grenzen: Was leistet der Text nicht?
2. Genese: Wie entstand der Text aus dem Gespräch der Synode?
B. Grundstruktur der theologischen Aussage 1. Das Koordinatensystem
2. Die dynamischen Grundkategorien: missio und communio
3. Der gute Hirt und der priesterliche Dienst
4. Konsequenzen
5. Der Bezug zur Welt, zur Kirche, zu Christus
C. Ertrag

 

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[7] Der Text der römischen Bischofssynode über den priesterlichen Dienst hält mehr, als er auf den ersten Blick verspricht. Im Geflecht vieler Zitate aus der Heiligen Schrift und aus den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils treten bei behutsamer Lektüre die Konturen eines Priesterbildes hervor, das sich keineswegs im Selbstver­ständlichen und Gängigen erschöpft.

Gewiß, vieles von dem, was viele sich von der römischen Bischofssynode erwartet haben, konnte sie nicht leisten. Eine nüchter­ne Einschätzung der Situation und ihrer Erfordernisse, aber auch der Möglichkeiten eines Dialogs, dessen Partner aus aller Welt ihn unter den unterschiedlichsten Perspektiven zu führen hatten, läßt indessen die kritische Rückfrage an die Leistung der Synode zu­gleich auch zur kritischen Rückfrage an jene Erwartungen werden, die sich auf sie richteten. Nachfolgende Einführung zum Text soll zunächst auf die „Grenzen“ der Aussage des synodalen Papiers hin­weisen: Was leistet es nicht?

Gerade so kann aber der Blick frei werden für das, was der Text leistet. Als erstes ist hier zu bemerken: Er ist nicht die bloße Voll­streckung vorgefertigter Konzeptionen, garniert mit einigen verän­dernden Modi der Synodalen; er ist nicht die bloße Umarbeitung vorliegender Entwürfe, korrigiert durch einige Einwendungen und Zusätze aus der vor- und innersynodalen Diskussion. Er spiegelt mehr, als es aufs erste scheint, [8] das Gespräch um das priesterliche Amt, wie es in der Weltkirche und auch auf der Bischofssynode ge­führt wurde. Zwar konnte man oftmals Kritik an der Weise hören, wie die Diskussion im Plenum der Synode abgewickelt wurde: An­einanderreihung beziehungsloser, weil Tage zuvor schriftlich einge­reichter Interventionen der Synodalen; doch das Gespräch, das gleichwohl in der „Kette der Monologe“ enthalten war, kommt in der gemeinsamen Aussage der Synode zur Geltung. Im folgenden sollen daher auch einige Hinweise zur Genese des Textes aus dem Dialog der Synode gegeben werden. Ein genaueres Referat der Dis­kussionen auf der Synode und um die Synode würde indessen den Rahmen einer knappen Einleitung sprengen.

Eng mit der Genese aus dem Gespräch um das priesterliche Amt hängt auch das zusammen, was der Gedanke des synodalen Textes inhaltlich leistet. Er verbindet drei Fragerichtungen fundamentaler Art, die das Selbstverständnis des Priesters heute betreffen: Einmal wird die Stellung und Funktion priesterlichen Dienstes innerhalb der Problematik des Menschen, der Welt und der Kultur von heute behandelt – der anthropologische und situationsbezogene Aspekt priesterlichen Dienstes; zum anderen wird priesterlicher Dienst in den Kontext des Dienstes und der Dienste der Kirche im ganzen ge­rückt – ekklesiologischer Aspekt; schließlich wird, die beiden ande­ren Aspekte verbindend und begründend, der Bezug priesterlichen Dienstes zu Person und Sendung Christi neu befragt – christologischer Aspekt. Die drei genannten Aspekte werden indessen nicht „nebeneinander“ abgehandelt, sie verflechten sich im Duktus eines einheitlichen, durchgreifenden Gedankens. Diese innere Struktur der Aussage liegt in der äußeren Gestalt nicht sofort offen; als der Nerv des Ganzen soll sie jedoch den hauptsächlichen Inhalt der nachfolgenden Einleitung bilden.

 



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