Pilgerndes Gottesvolk – geeintes Gottesvolk


Beitragsseiten
Pilgerndes Gottesvolk – geeintes Gottesvolk
I. Einheit und Unterwegssein in „Lumen gentium“ 1-4
II. Einheit als Wegspur unserer Zeit
III. „Einheit“ und „Weg“ in der Perspektive des trinitarischen Gottes
IV. Trinität als Ikone des pilgernden Gottesvolkes – pilgerndes Gottesvolk als Ikone der Trinität
V. Ein ökumenischer Seitenblick
VI. Vorblick: Einheit der Menschheit
VII. Zum Schluß: der Schlüssel

 

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Pilgerndes Gottesvolk – geeintes Gottesvolk
Eine Weg-Skizze

[349] „Plebi Dei peregrinanti“, dem pilgernden Gottesvolk, gilt der bischöfliche Dienst von Josef Stimpfle. Die Dynamik des Weges, die Gemeinschaft des Weges, Mut und Demut des Unterwegsseins, Gewißheit und Kraft des Zieles drücken sich in diesem in der Mitte des Zweiten Vatikanischen Konzils verankerten Kirchenbild des Augsburger Bischofs aus. Alles dies schwingt mit, wenn Kirche als pilgerndes Gottesvolk verstanden wird. Und das Bischofsbild von Bischof Stimpfle kommt einfach darin zum Ausdruck, daß er dieses pilgernde Gottesvolk in den Dativ setzt und so sich als jenen bekennt, der sich selbst diesem pilgernden Gottesvolk schenkt, ihm dient, ihm gehört, ihm durch die Geistesgabe der Bischofsweihe von Gott selbst „gewidmet“ ist.

Wenn man das Kirchenbild des Zweiten Vatikanischen Konzils auf eine Kurzformel bringen will, dann bietet sich unwillkürlich dieses Wort vom pilgernden Gottesvolk an. Es gibt außer diesem Wort wohl nur ein zweites, das in ähnlicher Prägnanz und, vom Konzilsgeschehen her, mit ebenso bewußter Relevanz formuliert ist: „de unitate Patris et Filii et Spiritus Sancti plebs adunata“, „von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeintes Volk“[1]. Was in diesem Tertullian entlehnten [350] Ausdruck zur Geltung kommt, läßt sich indessen von der erstgenannten Perspektive des „Gottesvolkes“ unterwegs nicht abtrennen, vielmehr dienen die beiden Formeln notwendig zur gegenseitigen Interpretation. Davon wird in diesem Beitrag zu handeln sein.

Für Bischof Stimpfle gehören die beiden Dimensionen, pilgerndes Gottesvolk und geeintes Gottesvolk, auch persönlich unzerreißbar zusammen. Von Anfang an und in vielfältiger Weise, dies braucht hier nicht eigens ausgefaltet zu werden, sieht Bischof Stimpfle seinen Dienst als Dienst an der Einheit. Die Einheit ist ihm Wegziel und Wegschritt des pilgernden Gottesvolkes. Dem gehört seine ganze Leidenschaft; seine Vision von Kirche und Bistum ist von daher inspiriert, seine Leiden und Mühen im Dienst an Kirche und Bistum sind daher geprägt.

In der auch Bischof Stimpfle vertrauten Spiritualität der Einheit, wie sie in der Fokolarbewegung erwachsen ist, geistlich beheimatet, habe ich selbst als mein bischöfliches Leitwort gewählt: „Omnes unum ut mundus credat“, „Alle eins, damit die Welt glaube“. Was läge näher für meinen geistlichen und theologischen Gruß an Bischof Stimpfle, als die Verbindung zwischen dem Charakter der Kirche als pilgerndes Gottesvolk und jenem als geeintes Gottesvolk ausdrücklich zu machen?

 



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