Berufungspastoral um die Jahrtausendwende


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Berufungspastoral um die Jahrtausendwende
I. Auf 2000 zu – Phänomene
2. Auf 2000 zu – Suche nach Zukunft als Suche nach Ursprüngen
3. Auf 2000 zu – Grund-Wende?
II. Auf 2000 zu – Alternative in Sicht?
2. Neue Sicht des Menschen: Gerufener
III. Konsequenz: Programmskizze für einen Ansatz von Berufungspastoral

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Ein erfahrener Seelsorger erzählte mir einmal, er habe von einer pastoralen Arbeitsstelle innerhalb einer Erhebung über die Effektivität von Pastoralmethoden einen Fragebogen erhalten, dessen letzte Fra­ge lautete: Welchen Erfolg konnten Sie bei Ihren Bemühungen fest­stellen? Der Seelsorger trug unter dieser Spalte ein: Leider kann ich keine Antwort geben, da der Erfolg ein casus specialissimo modo Deo reservatus (ein in speziellster Weise Gott vorbehaltener Fall) ist.

Diese Antwort kommt mir bei unserem Thema gleich zweimal in den Sinn. Einmal im Blick auf Berufungspastoral überhaupt. Sie kann nicht heißen: Wie „kriegen“ wir mehr? Wie viele brauchen wir, und wie können wir bewerkstelligen, daß sie kommen? Sorge für den Dienst an den Gemeinden, Sorge für den priesterlichen Dienst und für das Zeugnis der Evangelischen Räte in unserer Kir­che: ja – Ersatz des rufenden Gottes durch den rechnenden Men­schen, Umrechnung des nur Gott Möglichen auf unsere Machbar­keiten: nein. Wir dürfen mit dem Wort, daß Gott keine anderen Hände habe als die unseren, ihm nicht die Hände binden. Wir müs­sen den Mut behalten, unsererseits für das Entscheidende keine an­deren Hände zu haben als die seinen.

Und noch einmal fällt mir die Antwort jenes Mitbruders ein, der sich nicht imstande sah, selber etwas zu jenen Fragen zu sagen, auf die Gott allein die Antwort weiß. Wir sprechen von der Jahrtau­sendwende. Die Zukunft aber ist wie nichts anderes – Gott sei Dank! – der casus specialissimo modo Deo reservatus.

Ist dann unser Thema falsch gestellt? Keineswegs. Wir sind nicht die Schallplattenproduzenten, die den vor 2000 Jahren ergangenen Ruf Gottes neu aufführen, für heutige Bedürfnisse und Verhältnisse gefällig arrangiert; aber wir sind bestellt, Eli zu sein für den jungen Samuel, der beunruhigt wird durch Stimmen, die es zu befragen und zu deuten gilt, weil vielleicht der Ruf des Herrn sich in ihnen an­zeigt. Dazu aber müssen wir die Stimme des Herrn und die Stim­men der Zeit kennen. Ebenso sind wir nicht bestellt, mit dem Aberglauben totaler Aufklärung oder mit dem Aberglauben neuer Irrationalität die Zukunft in unseren verfügenden Blick und in unsere verfügende Hand zu bannen; wohl aber sind wir gerufen, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Die Zeichen der Zeit jedoch sind Zeichen des kommenden Herrn. Bloße Zeitanalyse genügt nicht; es gilt in unseren Beobachtungen hin­durchzuschauen auf jenen, „den sie durchbohrt haben“ (vgl. Offb 1, 7) und der als der Durchbohrte in Herrlichkeit kommen wird. Zeichen der Zeit sind Zeichen des Durchbohrten und des Verherr­lichten.

 



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