Das Jahrestreffen der Focolarini


 

 

[121] Etwa 600 Teilnehmer aus 13 Nationen waren zum Jahrestreffen der deutschsprachigen Freunde und Mitglieder der Focolari-Bewegung am 10./11. März nach Heidelberg gekommen. Man wird selten eine Versammlung finden, die Menschen von so unterschiedlichem Alter, Beruf, Stand und Volkstum zusammenführt und dabei wie selbstverständlich zur Familie macht. Dieses „Tun“ des Wortes Jesu, das uns seine Gegenwart verheißt, wo wir in seinem Namen versammelt sind, stand denn auch in der Mitte der gemeinsamen Tage, entsprechend dem Ziel der Focolari-Bewegung, die nichts anderes will, als der Verwirklichung der von Jesus uns aufgetragenen Einheit der Seinen dienen.

Die brieflichen Gruß- und Segensworte des Freiburger Erzbischofs und anderer deutscher Bischöfe sowie die persönliche Anwesenheit des Bischofs von Tsingtau, Augustin Olbert SVD, brachten besondere Freude, weil nach Überzeugung der Focolarini das brüderlich-gegenseitige Einssein in der Einheit mit der Hierarchie seinen Grund und Halt findet, gemäß Jesu Wort an die Apostel: „Wer euch hört, hört mich.“

Auf diesen Zusammenhang wies eindringlich Chiara Lubich hin, an die sich 1943 in Trient das Entstehen der Focolari geknüpft hatte. Sie berichtete vom unscheinbaren Anfang, den das heute über alle Kontinente verbreitete Werk inmitten der Kriegsnot durch den Entschluß weniger junger Menschen nahm, bedingungslos das Evangelium zu leben. Ferner umriß sie die gegenwärtige Aufgabe: Erneuerung aller Beziehungen des menschlichen Gemeinschaftslebens durch die Erfüllung des Neuen Gebotes und deshalb Öffnung zur dienenden Mitarbeit überall in der Kirche, wo dies erfordert ist. Die Focolari-Bewegung, wurde betont, wolle nichts Neues neben anderen Gruppen und Bewegungen, sondern habe ihren dienenden Platz im Ganzen der Kirche und mit allen ihren Gliedern und Organen.

Entsprechend der Art einer Familienzusammenkunft wurden vom Versuch, diese Grundsätze inmitten verschiedenster Umwelt zu verwirklichen, viele schlichte, unmittelbare Berichte gegeben: der Familienvater der zehnköpfigen Familie, der Ingenieur im großen Betrieb, der Kaufmann, die junge Familie, die Gruppe von Arbeitern, selbst die Kinder hatten hier Erstaunliches zu sagen – oder im Grunde Selbstverständliches, wenn man das Evangelium und die Kirche ernst nimmt. Das Zeugnis des italienischen Redakteurs, der im Focolare von New York mit seinem englischen Bruder das Beispiel der Brüderlichkeit zu leben versucht, und der brasilianischen Studentin, die vom Ideal des Klassenkampfes zur Botschaft Jesu als der einzigen Lösung der sozialen Probleme in Südamerika gefunden hatte, sei aus der langen Reihe der „internationalen“ Beiträge herausgegriffen, die in den paar gemeinsamen Stunden über den Kreis der „Deutschsprachigen“ hinaus – viele Schweizer und Österreicher waren gekommen – so etwas wie eine Erfahrung der Weltkirche ermöglichten. Höhepunkt war das heilige Opfer, das wohl allen Mitfeiernden als die Mahlgemeinschaft der Gottesfamilie neu bewußt wurde. Aus dem vielen Gesehenen und Gehörten ist noch ein Dokumentarfilm zu nennen, der das Leben im ständigen Studien- und Arbeitszentrum der Focolari-Bewegung in Grottaferrata nahe Rom lebendig vor Augen führte: Werkstatt, Spiel, Studium, Wanderung, Gebet, alles wird hier unter den einen Auftrag gestellt: Daß alle eins seien.

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