Mit eigener Stimme


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„Mit eigener Stimme“
Geistliche Randbemerkungen zur Predigt als Rückübersetzung

[139] Eugen Biser hat Predigt als Rückübersetzung erhellt. Er hat ihr da­mit einen theologischen und geistlichen Ort erschlossen, den den­kend zu bewohnen sich lohnt und von dem aus zu predigen, aber auch Predigt zu hören menschlich und christlich und zeitgeschicht­lich gut ist. Daß Predigt nicht Nachtrag ist zum Wort der Schrift, sondern sein je neu geschehender Vortrag, das Aufgehenlassen aus der Ursprungssituation, die jedoch nicht rekonstruiert wird, son­dern sich aus dem Wort selbst ursprünglich ergibt; daß so der Rück­gang in den Ursprung im selben Atem Vorgang in die je neue Situa­tion bedeutet; daß das je Selbe das je Einmalige und Erstmalige gera­de kraft der Treue zum unverfügbaren Anfang wird: dies alles eröff­net eine Fülle von Perspektiven, die in die Mitte der Predigt hinein und zugleich weit über die Predigt hinaus ins Ganze dessen tragen, was Theologie zu bedenken hat. Wie Eugen Biser selbst bemerkt, zentriert sich der von ihm entdeckte Ort und das in ihm geborgene Geschehen zum Ereignis des „unus Christus amans se ipsum“[1].

Genau hier sollen die einfältigen, gar nicht wissenschaftlich aus­gearbeiteten Randbemerkungen zu Eugen Bisers Konzept beginnen: In diesem Christus, der sich selber in seinem anderen liebt, ist Pre­digt verwurzelt. In ihm wird seine eigene Stimme in der des Predi­gers hörbar. Und je mehr sie sich hineingibt in die Stimme Christi, wird sie freigesetzt als die eigene des aktualen Predigers. In dieser Freisetzung der Stimme Christi im Prediger und der Stimme des Predigers in jener Christi aber „stimmt“ die Predigt, entdeckt der Hörer seine eigene Stimme, macht er die Erfahrung, die im 14. Ka­pitel des 1. Korintherbriefs uns vorgestellt wird: Prophetie ge­schieht, wo der Eintretende und Hörende sein eigenes Herz aufge­deckt findet und gerade so davon überwältigt wird, daß Gott in der Mitte dieser Gemeinschaft ist. Der Prediger, Jesus Christus verkün­dend und den Menschen ansprechend, ist also ins Spiel einer dreifa­chen Identifikation, die doch nichts vermischt, hineingestellt: Seine Stimme – meine Stimme – deine Stimme. Und weil es ein Spiel der Liebe ist, geschieht in allem dem der Bezug aller drei Pole zum je Ei­genen und zugleich zum je Anderen.

 



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