Voraussetzung des pastoralen Dienstes: dienende Gemeinde


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Voraussetzung des pastoralen Dienstes: dienende Gemeinde
I. Die Zukunft von Gemeinde
II. Grundprobleme der Gemeinde heute
1. Identifikation*
2. Partizipation*
3. Offenheit - Geschlossenheit*
III. Der Sinn von Gemeinde: Gleichzeitigkeit
IV. Dimensionen der „Gleichzeitigkeit“
1. „Gleichzeitig“ zu Ursprung und Tradition*
2. „Gleichzeitig“ zu allen in der Gemeinde*
3. „Gleichzeitig“ zu den anderen Gemeinden und zur Gesamtkirche*
4. „Gleichzeitig“ zu Gesellschaft und Welt*
V. Utopie oder Weg?
[24] 3. Offenheit – Geschlossenheit*

Das dritte Grundproblem hängt mit der genannten Bedrohung von Freiheit und Spontaneität im Apparat der technischen Plangesell­schaft zusammen. In den letzten fünf Jahren – man spricht zur Ge­nüge davon – zeigt sich eine merkwürdige Kehre nach innen, ein Streben nach mehr Sammlung, mehr Intensität, mehr Ursprungserfahrung an. Die unterschiedlichen, zum Teil gegenläufigen Äuße­rungen dieser Tendenz brauchen hier nicht angeführt zu werden. In unserem Zusammenhang drängen sich zwei Fragen auf: 1. Bringt die Abkehr vom bloß Gesellschaftlichen und die Hinwendung zum Innerlichen nicht die Gefahr mit sich, daß Innerlichkeit in den Ge­gensatz zum Interesse an der Welt und zum Dienst an der Welt ge­rät? 2. Führt das Bestreben nach der intim erfahrbaren Gruppe, nach dem Erlebnis von Gemeinschaft im überschaubaren Kreis nicht mitunter zu neuer Isolierung, zu neuer Ghettobildung, neuer Verengung statt zur Weite des Daseins für alle? Die Fragen stellen heißt bereits, Stellung zu beziehen, eine Stellung, die auf dem Gleichgewicht, damit aber auch auf dem Durchtragen der Spannung zwischen den gegenläufigen Tendenzen basiert. Der Weg nach innen ist der Weg zum Geist, in dem der Sohn sich, dem Vater gehorsam, hingegeben hat für das Leben der Welt. Die Intensität des Einsseins im Namen Jesu und um seinetwillen zentriert sich um den als Mitte, der sich für jene am Rand, der sich für die vielen und für die Äußer­sten am brennendsten interessiert. Communio ist nur dann communio im Geiste Jesu, wenn sie communio zwischen Juden und Grie­chen, wenn sie in diesem Sinn communio catholica ist, man könnte sagen: offene Geschlossenheit, Geschlossenheit in der Offenheit Je­su.

Wiederum die Konsequenzen für den pastoralen Dienst: Die sel­ber ihren Dienst wahrnehmende Gemeinde: ja; die ihren Dienst al­lein für sich tuende, die sich nur selber versorgende und mit sich selbst begnügende Gemeinde: nein. Pastoraler Dienst muß aus der Gemeinde aufbrechen und in der Gemeinde beheimatet sein, er muß aber zugleich aufbrechen über die Gemeinde hinaus, er muß also tiefere Heimat in der Kirche im ganzen, in ihrer Einheit und Zusam­mengehörigkeit haben.



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