Das unterscheidend Eine


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Das unterscheidend Eine
I. Die Botschaft der Einheit
1. Das Eine Notwendige
2. Der Erste und Einzige
3. Das Einheit Stiftende
4. Eins mit Ihm, eins in Ihm
II. Unitas quaerens intellectum
1. Grundzüge johanneischen Denkens der Einheit
2. Grundzüge des intellectus unitatis
3. Einheit und Vielheit
 
 
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Das unterscheidend Eine
Bemerkungen zum christlichen Verständnis von Einheit

 

[339] „Die Offenbarung des Heiligen als Ereignis der Geschichte wird sich deshalb nicht in der Verkündigung eines Gefüges von Mensch und Menschheit, Welt und Welten bezeugen. Die verschiedenen Zeugnisse werden vielmehr verschiedenes Gepräge aufweisen, gerade so aber erweisen, daß die Gemeinde sich in allen Welten und Zeiten zu allen Menschentümern gesandt weiß, nicht um diese Welten und Menschen zu ändern – sie sind ja, sollen und dürfen sein, sie sind die vom Heiligen gemeinten Zeiten und Menschen –, sondern um die Menschen in ihren Welten mit dem neuen Namen zu rufen.“ So lesen wir im Schlußteil der Habilitationsschrift von Peter Hünermann aus dem Jahr 1967.[1] Die theologische und philosophische Arbeit von Peter Hünermann, die seither geschah, aber auch sein Einsatz für die Begegnung zwischen Kultur und Theologie in Lateinamerika und in Deutschland, schließlich seine Hinweise zum theologischen Gebrauch des „Denzinger“[2], den er neu herausgab, rechtfertigen es und legen mir nahe, ihm zum 65. Geburtstag Gedanken zu widmen, die ein christliches Verständnis von Einheit anderen Verständnissen dieses heute ebenso aktuellen wie verdächtigen Wortes gegenüberstellen.

Zunächst schulde ich den Lesern zwei Vorbemerkungen. Zum einen: Ein Gebirge sieht sich von nahe und von ferne je anders an. Wichtige Details entgehen aus der Distanz, doch tritt eine Gesamtgestalt zutage, die so aus den Details allein nicht zu gewinnen wäre. Eines kann nicht gegen das andere als die „wahre“ Sicht ausgespielt werden. In einer Phänomenologie des Sehens wird deutlich, daß beide Bewegungen grundsätzlich jeden Blick konstituieren: Ausgang vom Einzelnen zum Gesamten, Ausgang vom Gesamten zum Einzelnen. Ich nehme hier den Verlust an Detail und Differenzierung in Kauf, um einen zusammenfassenden Blick aufs Ganze zu ermöglichen.

Zum zweiten: Es wäre reizvoll, das Thema Einheit von der Geschichte [340] des Denkens und der hermeneutischen Situation der Gegenwart her anzugehen, doch wähle ich den Ansatz unmittelbar bei der christlichen Botschaft, um von ihr her das anfanghaft in den Blick zu bringen, was sie zum drängenden Kirchen- und Weltproblem Einheit zu sagen hat.

 



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