Wie im Himmel so auf Erden


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Wie im Himmel so auf Erden
1. Warum vom Himmel reden?
2. Christliches Grundwort „wie“
3. Der „springende Punkt“: Gott und sein Wille
4. Nochmals: Die Frage nach dem Himmel

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Erläuterungen zum vorgeschlagenen Leitwort des 90. Deutschen Katholikentages 1990 in Berlin „Wie im Himmel so auf Erden“
Vor der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am 29./30. April 1988

[83] Die Stadt des nächsten Katholikentages ist Berlin. Berlin, das ist: eine geteilte Stadt, über die ein einziger Himmel sich spannt; aber auch eine Stadt, die unter einem vielfältig gespaltenen Himmel liegt. Der eine Himmel über der geteilten Stadt, der geteilte Himmel über der einen Stadt, das sind zwei gegenläufige Komponenten einer einzigen Ortsbestimmung, die freilich mehr ist als Ortsbestimmung von Berlin; sie ist Ortsbestimmung des Menschen und der Welt heute.

Wieso? Unterschiedliche Systeme, Denk-, Gesellschafts-, Lebensordnungen innerhalb unserer Welt sind umgriffen von der Einheit einer unteilbaren Zukunft, von einem Zusammenhang, der sich nicht in dem erschöpft, was wir von uns aus machen und verfügen können. Es gibt in allen Trennungen und Differenzen ein Bewußtsein weltumspannender Gemeinsamkeit, Abhängigkeit, Angst und Hoffnung. Von unserem christlichen Glauben her formuliert: Wir sind gemeinsam in der einen Hand Gottes und unter dem einen Blick Gottes. Ob nun säkular oder religiös gefaßt: Ein Himmel über den Spaltungen dieser Erde.

Doch ebenso gilt das scheinbare Gegenteil: Zusammenhänge, Angewiesenheiten aufeinander, Verflochtenheiten in die Gesetze von Kommunikationen, Wirtschaft, Umwelt umklammern alle. Wie diese eine und gemeinsame Wirklichkeit aber gedeutet, was von ihr [84] erwartet, was in ihrer Gestaltung als Ziel angestrebt, worin die Macht ihrer Herkunft und der Sinn ihrer Zukunft erblickt werden, das fällt weithin auseinander. Jeder hat seinen Himmel, es ist nicht mehr der eine, gemeinsame Himmel eines einzigen Glaubens, Hoffens und Liebens, der sich über alles wölbt: gespaltener Himmel über der einen Erde.

Es ist jedoch nicht gleichgültig, welchen Himmel der Hoffnungen und Ziele, der Maßstäbe und Deutungen ich mir zu eigen mache. Zeig mir deinen Himmel, und ich verstehe dein Handeln. Jeder handelt um seines Himmelswillen, Himmel hat mit Erde zu tun. Das gilt auch und gerade von jenen, die den Himmel des Geheimnisses leugnen, und von jenen, die sich aus verantwortlichem Gestalten dieser Erde in den Traum ihres Himmels hinein verabschieden. Himmel und Erde haben miteinander zu tun, ihr Zusammenhang ist entscheidend für unsere Zukunft, ihr gelebter Zusammenhang die Nagelprobe christlichen Glaubens in unserer Welt. In der Tat: Zeige mir deinen Himmel, und ich zeige dir die Erde, an welcher du baust.



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