Jugendarbeit aus dem Evangelium


 

 

 

[143] 1. Schritt

Die Stichworte, die unsere Situation charakterisieren, Phänomene, die für sie besonders typisch sind, haben es großenteils direkt oder indirekt mit „Jugend“ zu tun.

Beispiele: Jugendreligionen, Jugendarbeitslosigkeit, Jugendkonzil, Studentenunruhen. Die Krise und die Chance unserer Zeit scheinen besonders mit der Jugend zu tun zu haben.

Worin liegt der anthropologische und geschichtliche Grund hierfür?

[144] 2. Schritt: Versuch einer Antwort auf diese Frage

a) Jugend im ausgeprägten Sinn gibt es nicht in allen Kulturen und Epochen. Gerade unsere abendländische Kultur ist wohl dadurch ausgezeichnet, daß in ihr Jugend eine Rolle spielt. Dort tritt das Phänomen Jugend zurück, wo in einer festgefügten Lebens- und Stammesordnung der kindliche Mensch sogleich in seine Aufgaben und Rechte eingesetzt wird, wo es keine Schreck- oder Reflexionsphase eigenen Entscheidens und Gestaltens zwischen der Kindheit und der Position gibt, die der einzelne im Leben einnehmen wird. Zwar gibt es überall Entscheidungen innerhalb der zu planenden und zu gestaltenden Zukunft, nicht aber gibt es überall eine Entscheidung zur Zukunft. Das Unselbstverständlichwerden von Zukunft, das Planenkönnen und Wählenkönnen von Zukunft scheint das konstituierende Moment für die Lebensphase Jugend zu sein.

b) Genauer betrachtet hängen damit drei für Jugendlichkeit konstitutive Momente zusammen:

1. der Entwurf von Zukunft;

2. das Gegenübersein zur entworfenen Zukunft, das Rückgeworfensein auf sich selbst, die Reflexion;

3. in der Planbarkeit und Machbarkeit und Erstrebbarkeit von Zukunft ereignet sich zugleich die Aufklärung der Herkunft. Entwurf, Reflexion und Aufklärung gehören zur Jugendlichkeit, anders gewendet: Begeisterung, Selbsterfahrung und Kritik.

c) Was so die Jugendlichkeit von Jugend ermöglicht, das trägt zugleich unsere abendländische Kultur, zumal jene der Neuzeit. Die heutige Krise der Jugend scheint Krise der Neuzeit, die heutige Chance Ankündigung einer nachneuzeitlichen Epoche zu sein.

[145] 3. Schritt: Konkrete Lesbarkeit der Situation von Jugend auf diesem Hintergrund

Die neuzeitliche Kultur und Zivilisation lebt von einem merkwürdig gespannten Verhältnis zur Zukunft. Einerseits wird die Zukunft das große, magische Ziel, dem der Mensch aus sich selber entgegenstrebt: Fortschritt. Die Machbarkeit und Errechenbarkeit von Zukunft, ihre Manipulierbarkeit aber ist zugleich eine Nivellierung von Zukunft. Wenn der Mensch alles machen und planen kann, dann verliert Zukunft gerade ihren „abenteuerlichen“, geschenkhaften, unselbstverständlichen Charakter. Somit ist eine radikal technisierte Gesellschaft, wie sie sich aus dem Ansatz der Neuzeit anbahnt, nicht nur Erfüllung, sondern auch Ende und Frustration von Jugend.

Daraus ergibt sich in unserer Situation, kritisch gelesen, eine besondere „Schwäche“ der jungen Generation und zugleich eine Art von „kritischem Dreieck“, in dem sie sich zu verfangen droht, schließlich aber auch eine Aufgabe und Chance zur Überwindung.

a) Die Schwäche: Wo entweder die Zukunft fertig fabriziert wird oder wo sie ein blinder Ablauf wird, der sich dem einzelnen auferlegt, oder auch wo er in der scheinbaren höchsten Steigerung seiner Freiheit zur Zukunft vor einer solchen Fülle von Angeboten steht, daß diese Fülle ihn nur zu verwirren vermag, da verlernt der junge Mensch die Entscheidung: Entscheidungsschwäche. Es fällt auf, daß es seit vielen Jahren jungen Menschen schwerfällt, bindende, endgültige Entscheidungen zu treffen oder, wenn getroffen, sie durchzutragen. Gewiß ist Entscheidung sozusagen jenes innere Ende von Jugend in die endgültige, erwachsene Situationen hinein, andererseits lebt Jugend gerade von diesem Ende, lebt sie auf dieses Ende zu und nimmt es vorweg und [146] übt es ein. Eine entscheidungslose Generation aber ist im Grunde eine zukunftslose Generation. Es gilt also nicht, primär Rücksicht zu nehmen auf die Entscheidungsschwäche, sondern sie überwinden zu helfen.

b) Das kritische Dreieck: Wir erleben, plakativ vergröbert, drei Haltungen unter Jugend im Verlauf des letzten Jahrzehnts, die gegenseitig sich durchdringen oder abwechseln, die aber, zusammen gelesen, die notvolle Situation der Jugend angesichts ihrer Zukunft umreißen. Man könnte kurz zusammengefaßt sagen: Jugend zwischen Utopie, Konzentration aufs Selbst und Anpassung (brave oder resignierte Anpassung). Alle drei Momente gehören positiv mit ins Konzept von Jugend: Wo aber eines von diesen dreien das ganze Feld beherrscht oder wo diese drei Momente nicht über sich hinausspringen – eben in eine Entscheidung und in einen konkreten Dienst hinein, da droht Jugend und in ihr Menschsein sich zu verlieren. Begeisterung, die das Ungesicherte wagt, Innerlichkeit, in der die eigene Tiefe Gestalt gewinnt, sich zu äußern vermag, aber auch wachsender Realismus, der das Unmögliche ins Wirkliche und in sein Maß hinein übersetzt und so wirksam macht, das tut not.

Schwärmerisches Sich-Verlieren an Unerreichbares und deswegen Auswanderung aus der Wirklichkeit, schwärmerisches Sich-Verlieren in die eigene Innerlichkeit und deswegen Auszug aus dieser Welt, teilnahmsloses oder auch mit bürgerlicher Behäbigkeit, rückwärtsschauender Tristess oder beiläufigem Protest garniertes Mittrotten mit dem Diktat der Verhältnisse, das wären die verhängnisvollen Verfehlungen der Situation von Jugend.

c) Befähigung zur Entscheidung und Befähigung zur Gemeinschaft, in welcher ein dichtes Miteinander und lebendiges Füreinander sich öffnet in ein Leben mit der Welt und [147] für die Welt, die Kraft zum Sprung und die Kraft zur Synthese also, das sind die Aufgaben, die sich stellen, und es gibt genügend Unruhe und Impuls in der Jugend, an denen diese Aufgaben anknüpfen können, sofern ein Konzept da ist, um sie zu lösen.

4. Schritt: Die Alternative des Evangeliums: Nachfolge

Um es zunächst noch einmal von der Situation der Jugend her zu sagen: Es geht darum, daß Zukunft sich nicht erschöpft in ihrer Machbarkeit oder in ihrem Verhängnischarakter, sie soll Geschenk sein und Sache, zu der ich mich wagend entscheiden kann. Dasselbe anders gewendet: Es geht um die Überwindung der Isolation, die meine eigene Entscheidung lähmt, und um die Überwindung der Vermassung, in der ich bloß angepaßter Funktionär bin. Es geht also um Hingabe, in der ich mich finde, und darin um Gemeinschaft, die in sich ihre Mitte und ihre Tiefe hat und zugleich ihre Dynamik, die dienend über sie hinausfinden läßt.

Der Grundvollzug des Evangeliums beschreibt genau das, was hier not tut: Nachfolge. Welches sind die Momente?

a) Es erfolgt ein Ruf, der mich, den Einzelnen anspricht, trifft. Ich komme vor, ich werde ins Licht gehoben, ich werde herausgefordert.

b) Was mich aber herausfordert, ist nicht etwas, das ich aus mir selber kann oder aus mir selber mache, sondern der Ruf ist Geschenk, er begabt mich mit mir und meinem Weg von einem Gegenüber her.

[148] c) Das, was der Ruf eröffnet, ist ein Weg. Ich muß gehen, ich muß mich einsetzen, ich habe dabei die für die eine lebendige Zukunft konstitutive Unsicherheit, das Unabgeschlossene des Weges vor mir und habe zugleich jene den Weg tragende und ermöglichende Geborgenheit in dem, der mir voraus- und mit mir geht und der in der Unsicherheit die Sicherheit, in der Sicherheit aber das Unabschließbare „Jeweiter“ eröffnet.

d) Dieser Weg ist aber nicht romantische einsame Wanderschaft, sondern er ist Weg mit anderen und zu anderen: Gemeinschaft und Dienst. Nachfolge Jesu ist personale Beziehung zu ihm und personale Beziehung zu denen, die sich auf denselben Ruf einlassen, darin wirkliche Dichte und Intensität, aber zugleich die Öffnung in die gemeinsame Bereitschaft, den Weg Jesu mitzugehen, der als Weg zum Vater Weg für die vielen und zu den vielen, Weg für das Leben der Welt ist.

e) Nachfolge ist so das spannungsvolle Ineinander, die lebendige Synthese der Momente, die es der Jugend ermöglichen, Jugend zu sein, wenn auch aus einem Ansatz, der gerade nicht aus ihr selber wächst, sondern ihr zuwächst von dem großen Partner, von Gott her:

– Zukunft ist möglich, Zukunft eröffnet sich – indem sie mir geschenkt wird.

– Ich gestalte mein Leben und gestalte die Welt – indem ich mich auf einen anderen einlasse, von ihm führen lasse, von ihm tragen und begleiten lasse.

– Ich finde mich selbst – aber gerade indem ich mich an einen anderen und mit ihm für die anderen verliere.

– Ich lasse mich ein auf die Wirklichkeit, „passe mich ihr an“ bis zum Leiden, bis zum Tod – aber indem ich in dieser Anpassung das ganz Neue, die unerhörte Zukunft, die Ver- [149] wandlung des Menschen und der Welt erlebe und vollbringe.

– Ich gerate in die höchstmögliche kritische Distanz zu allem, durchschaue alles und löse mich von allem – aber gewinne so gerade eine neue Zuwendung, ein neues Verstehen.

f) Dieses Nachfolgegeschehen, das die Jugend zu ihrem Jungsein bringt, spiegelt sich in Episoden und Worten des Evangeliums: Der Mut, alles zu verlassen, die Offenheit der Zukunft – und darin doch schon jetzt gegenwärtige Erfüllungserfahrung. Mk 10, 28-30. Die radikale Offenheit für die Zukunft, die nicht haben und besitzen will, sondern sich einfach einläßt und weggibt: Mk 10, 35-40. Das Engagement und der Wettstreit, der aber nicht zum Egoismus, sondern gerade zum Dienst und zur Offenheit führt: Mk 10, 41-45. Die Überschreitung aller noch so treuen und biederen Anständigkeit in die radikale Entscheidungssituation: Mk 10, 17-27. Die Dialektik zwischen Sich-Finden und Sich-Verlieren: Mt 16, 25f. Die letztlich entscheidende Verbindung zwischen Gemeinschaftserfahrung und Gotteserfahrung: Mt 18, 20. Das Ineinander von Intensität und Mission, Dienst, Weltbezug: Joh 17, 21.

5. Schritt: Verdichtung und Konkretisierung des Nachfolgemodells: Gemeinsames Leben mit dem Wort und aus dem Wort

Nachfolge ist begründet durch das Wort, das Er mir gibt, in dem Er mich ruft, zu sich, zu den anderen, zur Welt. Wenn ich glaube, daß ich in diesem Wort erschaffen und erlöst bin, daß in diesem Wort ich mir gegeben bin, daß darin die Welt mir gegeben ist, daß darin die Gemeinschaft gründet [150] und daß darin Gott selber sich mir gibt, so zentrieren und ergänzen sich alle Bezüge dort, wo ich mit anderen zu einer Gruppe werde, die auf das Wort reflektiert, aber so auf das Wort reflektiert, daß darin das Zeugnis der eigenen Erfahrung und Entscheidung, daß darin das Hinhören auf die Erfahrung des anderen und daß daraus der Weg des gemeinsamen Dienstes entspringt. Jugendarbeit aus dem Evangelium wird so Jugendarbeit aus dem Wort werden müssen.

Dabei gibt es freilich zwei Gangarten: Jugendarbeit aus dem Wort und Jugendarbeit auf das Wort zu. Christliche, kirchliche Jugendarbeit gar kann nicht beginnen, ohne daß Menschen ganz bewußt auf dieses Wort sich einlassen und sich in ihm einüben. Nur wo schon jemand dieses Wort lebt, mit anderen lebt, es in diesem Sinn reflektiert und so reflektierte und missionarische Gruppe des Wortes zugleich wird, weitergebende, dienende Gruppe aus dem Wort, kann es „losgehen“.

Aber das, was losgeht, hat zugleich untrennbar voneinander zwei verschiedene Gangarten, die sich unterschiedlich durchdringen können.

a) 1. Gangart: Das Wort wird im Dienst an den anderen inkarniert, indem es verschwiegen und bloß gelebt wird. Der Weg ist die Zuwendung zu den anderen, die sie aus sich herauskommen läßt, die sie dort abholt, wo sie sind, die einfach Gemeinschaft mit ihnen sucht aus der Liebe dessen, der geliebt hat wie keiner. Das ist nicht eine bloße Vorstufe, das ist nicht etwas mit einer missionarischen Nebenabsicht, die das ganze verdirbt. Wohl aber ist es Zeugnis, Zeugnis, das dem anderen wirklich alles schenken will und ihm deswegen an der entscheidenden Stelle auch das nicht vorenthält, was ihn zutiefst beschenken kann: das ausdrückliche Wort Gottes selber.

[151] b) 2. Gangart: Das Wort schockiert den anderen, trifft ihn unmittelbar, hilft ihm auf den Sprung. Immer mehr zeigt sich, daß auch solche Direktheit, die unmittelbar einlädt, befreiende, auch anthropologisch befreiende Wirkung auf den jungen Menschen hat. Er wird umworben von tausend Angeboten. Warum nicht das eine Angebot, das ihm nicht nur etwas vormacht, sondern ihn wirklich identifiziert und über sich hinausführt? Freilich muß gerade auch solches direkte Vorgehen aus dem Evangelium gewähren und sichtbar machen, daß dieses Wort nicht eine Ideologie, nicht eine bloße Forderung ist, sondern Wort, in welchem der andere geliebt und angenommen wird, so wie er ist. Bloßes Mitmachen, auch mit Sakramenten und allem, was kirchlich dazu gehört, ist zuwenig; es geht darum: sich geliebt wissen und lieben, um Glaube und Hoffnung, die in der Liebe lebendig sind. Die ganze Liebe freilich will ausdrücklich mit dem kommunizieren, aus dem leben, der mich liebt wie keiner, und so werden gerade Eucharistie und Sakrament der Buße ein Zeichen dafür sein können, daß das Wort durchgebrochen ist in die Tiefe der eigenen Existenz.

6. Schritt: Voraussetzung und Ziel: Gemeinschaft in der Nachfolge und aus der Nachfolge

Der Weg, wie Menschen zur Nachfolge finden und wie Menschen, welche sich zur Nachfolge entscheiden, zu anderen Menschen finden, ist Gemeinschaft. Gemeinschaft aber ist nicht nur Mittel zum Zweck. Denn Gemeinschaft ist der innerste Inhalt der Nachfolge. Wie Jesus mit seinem Vater im selben Geist Gemeinschaft dreifaltigen Lebens ist, so will er uns einbeziehen in diese Gemeinschaft und in ihr die Erfüllung finden lassen. Diese Erfüllung schließt sich [152] aber nicht in sich selber, sondern wie er aus der Gemeinschaft mit dem Vater zu uns herkommt, so sollen wir aus der Gemeinschaft mit ihm zueinander und aus der Gemeinschaft miteinander zur Welt finden.

Die Stufen heißen also, schematisiert aneinandergereiht: Jesu Gemeinschaft mit dem Vater, Jesu Gemeinschaft mit uns, Gemeinschaft miteinander, in deren Mitte Jesus selber lebt, Gemeinschaft im Dienst an der Welt, damit immer mehr in diese Gemeinschaft hineinfinden: alles eins, bis die Welt selber glaubt und eins wird.

7. Schritt: Grundvollzüge von Gemeinschaft

Damit sich anthropologisch einlöst, was in den Grunddimensionen der Gemeinschaft aus der Nachfolge angelegt ist, muß darauf geachtet werden, daß es in jeder Gemeinschaft immer wieder zu drei Grundvollzügen kommt:

a) Die Erfahrung des Geschenks. Freude, Feier, zweckloses Beisammensein, in dem einfach die Gemeinschaft selber, die Welt, die man erfährt, die Musik, die man macht, das Wort, das man hört, sich von sich her aufschließen, ohne daß man etwas Bestimmtes damit will – nur dies ist die Alternative gegen unsere verzweckte Gesellschaftlichkeit, eine Alternative, die aber selbst nicht nur als Kraftfutter für neues Funktionieren verstanden werden darf, sondern deren Endstation Dank und Freude sein dürfen, Dank und Freude, die dann, wenn sie Liebe sind, ohnehin über sich hinausschlagen.

b) Begegnung und Entscheidung gehören dazu, damit das Geschenk wirklich etwas schenkt und wirklich ankommt. Ich soll zu mir selber und soll zum anderen finden, ich soll [153] über mich hinausfinden. Und der Prozeß der Gruppe, das Tun der Gruppe muß so angelegt sein, muß so auch immer wieder zu seinem Thema, zu seiner Sache durchstoßen, damit dies möglich ist. Es wäre verhängnisvoll, der früheren Gefahr einer bloß thema- und sachbezogenen Arbeit nunmehr nur die Selbstthematisierung des einzelnen oder der Gruppe folgen zu lassen.

Um an Martin Buber kritisch und im Grunde doch bestätigend anzuknüpfen: Es geht nicht darum, nur das Grundwort Ich-Es oder das Grundwort Ich-Du einzuüben, beides verbindet sich und entkrampft sich nur durch das Dreiecksverhältnis Ich-Du-Es.

c) Gruppe kann aber nie leben, Gemeinschaft nie in sich gesund sein ohne Aufgabe und Dienst. Zumindest die Befähigung zu Aufgabe und Dienst, das Sehen von Aufgabe und Dienst gehören dazu. Innenbezug ohne Außenbezug, Innarchitektur ohne Mauern, die auch nach außen hin stabil sind, das bräche in sich zusammen. Reflektierte Gruppe muß also, richtig verstanden, immer zur missionarischen, will sagen zur diakonischen, dienenden Gruppe werden. Zuletzt und zuhöchst geht es doch darum, daß der in der Mitte sei, der sich hingegeben hat für die vielen.

8. Schritt: Früchte des Wortes, Früchte der Gemeinschaft im Wort

Wer das Wort Gottes ausdrücklich findet oder doch mit ihm dadurch kommuniziert, daß er Annahme, Entscheidung, Gemeinschaft und Dienst findet, der lernt im Grunde alle Worte, die für sein Leben konstitutiv sind. Jeder kann für sich die Probe machen, ob – und dies wäre ein Kriterium für Jugendarbeit aus dem Wort – wir dabei die Worte neu lernen:

[154] a) Pronomina: ich (Identität), du (Hingabe, Dienst), er/sie/es (Objektivität), wir (Gemeinschaft), ihr (Dialog, Auseinandersetzung, Toleranz und Entscheidung), sie (Universalität, Weltbezug, menschheitlicher Bezug).

b) Mit diesen Fürwörtern müssen wir zugleich die Tempora lernen: Vergangenheit (Dank), Zukunft (Hoffnung, Wagnis, Weg), Gegenwart (Entschiedenheit, Begegnung, Konzentration aufs Jetzt).

c) Darin aber werden die alten Urworte, Gott, Welt und Mensch, wieder sprechend, werden sie wieder in ihren Kontext, in einen neuen Kontext zueinander gerückt: Gott hört auf, ein bloß ferner, ein welt- und menschenfremder Gott zu sein, die Welt wird Welt für den Menschen und Welt von Gott her und auf Gott hin, der Mensch selber wird zur lebendigen Gottesfrage und mehr als dies, zum von Gott Geliebten. Gott, Welt und Mensch begegnen sich in dem, der die Achse und Mitte der zugleich reflektierten und missionarischen Gemeinschaft ist: Jesus Christus.

 

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