Man hat meinem Gott das Haus angezündet*


| Wort zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9./10. November 1938 |

 

 

[16] Man hat meinem Gott das Haus angezündet
— und die Meinen haben es getan.
Man hat es denen weggenommen,
die mir den Namen meines Gottes schenkten
— und die Meinen haben es getan.
Man hat ihnen ihr eigenes Haus weggenommen
— und die Meinen haben es getan.
Man hat ihnen ihr Hab und Gut, ihre Ehre,
ihren Namen weggenommen
— und die Meinen haben es getan.
Man hat ihnen das Leben weggenommen
— und die Meinen haben es getan.
Die den Namen desselben Gottes anrufen,
haben dazu geschwiegen
— ja, die Meinen haben es getan.

Man sagt: Vergessen wir′s und Schluß damit.
Das Vergessene kommt unversehens, unerkannt zurück.
Wie soll Schluß sein mit dem, was man vergißt?
Soll ich sagen: Die Meinen waren es, nicht ich?
— Nein, die Meinen haben so getan.

Was soll ich sagen?
Gott sei mir gnädig!

Was soll ich sagen?
Bewahre in mir Deinen Namen, bewahre in mir ihren Namen,
bewahre in mir ihr Gedenken, bewahre in mir meine Scham:

Gott, sei mir gnädig.

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