Die Bewegung der Focolarini und die Priester


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Die Bewegung der Focolarini und die Priester
1. Die Bewegung der Focolarini – Entstehung und Grundzüge
2. Das Ideal der Einheit und die Priester
3. Die Berufung zur Einheit und die vielen Berufungen
4. Mariapoli
5. Weltpriester und Focolare

 

2. Das Ideal der Einheit und die Priester

Die Focolarini wollen nicht nur etwas neben den vielen Zweigen und Kräften sein, die im Organismus der Kirche wachsen und wirken, sondern in ihnen das Geheimnis der Einheit zur Darstellung bringen. Sie ersinnen nicht in erster Linie einen Plan, wie die Strukturen der Kirche aus dem Geist der Einheit zu erneuern wären, sondern suchen aus diesem Geist zu leben, der allerdings andauernd zur Tat und Verwirklichung drängt. Es ist ihnen darum zu tun, daß möglichst überall in der Welt Jesus gegenwärtig wird, indem seine Gläubigen in der Familie, auf dem Arbeitsplatz, im Parlament und wo auch immer in seinem Namen miteinander eins werden.

Besonders den Priestern tut die Einheit not. Denn sie sind vor allem zum Zeugnis für Jesus berufen, und im hohenpriesterlichen Gebet offenbart uns Jesus, daß er sich durch das liebende Einssein der Seinen der Welt bezeugen will (vgl. Joh 17, 21-23). Die Gemeinsamkeit der Priester, die im Geist der Focolare miteinander verbunden bleiben, ruht vornehmlich auf drei Stützen:

a. Auf dem persönlichen ernsten Streben eines jeden einzelnen nach Vollkommenheit. Dies erfordert die beständige Einübung in die Annahme des Willens Gottes in jedem Augenblick. Nur die andauernde Durchkreuzung des eigenen Wünschens und Planens im Eingehen auf den Ruf, den Gott jeweils unaufschiebbar jetzt mir zuschickt, vermag den Egoismus zu besiegen, der sich an sich selbst festklammert und für die wahre Einheit in seinem Namen untauglich macht.

[178] Die vornehmste und vielleicht wichtigste Gestalt dieser Bereitschaft für den Ruf Gottes im Augenblick ist die Bereitschaft, jeden Mitbruder so anzunehmen wie Christus selbst.

b. Auf der steten und wechselseitigen Beziehung zu den Mitbrüdern, die sich zum selben Leben in der Einheit entschlossen haben. Die Gemeinschaft miteinander darf nicht mehr nur in der Zuneigung zu derselben Aufgabe oder Anlage gründen. Miteinander eins sein bedeutet ungleich mehr, als sich gut verstehen und miteinander auskommen. Der „alte Mensch“, der sich selbst und nur seine eigene Erfüllung sucht, muß fort und fort begraben werden. Das Ja zum Mitbruder erreicht diesen durch den verlassenen Jesus hindurch, und das heißt: es erreicht ihn durch die bedingungslos sich öffnende Leere, durch den Verzicht auf die nur eigenen Meinungen und auch guten Absichten. In den offenen Raum dieser Leere zwischen den Seelen kann sodann Jesus treten, um wahrhaft „in der Mitte“ zu sein und die innigste Einheit aller miteinander zu schenken. Der Weg hierzu ist eine Askese, die nicht mehr individualistisch orientiert ist, sondern der Wahrheit vom mystischen Leib entspricht. Jesus ist der „solus Sanctus“, und seine Heiligkeit lebt und teilt sich mit in der Una Sancta, die seine Braut, ja, die sein Leib ist. Heilig werden heißt daher: sein eigenes Leben, Wollen und Tun in lauter dienendes Gliedsein verbergen. Es kommt nicht mehr darauf an, daß ich dieses oder jenes Werk vollbringe, sondern einzig darauf, daß Jesus sichtbar wird. Und mit Jesus, dem Haupte, bin ich nur dann als Glied verbunden, wenn ich es auch mit den anderen Gliedern bin. Alles, was in mir das Kreisen ihres einen und gemeinsamen Lebens hemmen könnte, muß hinweggeräumt werden.

c. Auf der hingebenden und bedingungslosen Einheit mit der Hierarchie. „Wer euch hört, hört mich“ (Lk 10, 16), hat Jesus gesagt, und es ist nur ein Jesus, der in der Mitte gegenseitiger Liebe wohnt und der im heiligen Amt zu uns spricht. Erst in der Bereitschaft, sich der kirchlichen Autorität mit einem lauteren Ja anzuschließen und das eigene Wollen und Erfahren auch von ihr durchkreuzen zu lassen, gewinnt die Innigkeit der Verbindung mit Jesus in der Mitte ihre die Kirche aufbauende Kraft. Was Jesus will, kann auf die Dauer nicht seine Braut, die Kirche, nicht wollen, und was sie nicht will, will auch er nicht.

 



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