Marienfeier an der Grotte von Lourdes, 6. Mai 1988



Liebe Schwestern und Brüder,

wir alle sind hierhergekommen zu Maria, und von dieser Eucharistiefeier an wollen wir den Weg fortsetzen, der Weg zu Maria soll ein Weg mit Maria für uns werden. Wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt wie jene bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa. Es ist zu schwer, was wir zu tragen haben, wir schaffen es nicht, mit unserem Leid fertig zu werden. Es ist zu anspruchsvoll, wozu Gott uns gerufen hat, wir füllen es nicht aus, unser Leben, es ist zu bedrohlich, was wir zu bestehen haben, diese Situation des Unglaubens und der Gottfremde, und wir sind zu klein, um wirklich die großen Zeugen zu sein, die man heute braucht. Uns ist der Wein ausgegangen. Mit unserer Armut, mit dem, was uns äußerlich und innerlich drängt, kommen wir zu Maria. Und Maria weist uns auf ihren eigenen Weg. Sie sagt uns: „Was er euch sagt, das tut!“ Und sie sagt das aus der innersten Erfahrung ihres Herzens, denn sie ist die Magd des Herrn, die auf das Wort Gottes gehört und dieses Wort in ihr Herz genommen und Fleisch hat werden lassen, sie ist es, die uns diesen neuen Weg, ihren Weg, den Weg mit Maria, zeigt. Es ist ein Weg mit dem Wort, ein Weg, in dem wir dieses Wort auch in unserem Leben Fleisch werden lassen, ein Weg, der uns hinausträgt zu den anderen, wie sie mit diesem fleischgewordenen Wort zu Elisabeth gegangen ist, ein Weg, den die Gemeinschaft mit den vielen, in deren Mitte auch heute Jesus geboren werden will, es ist ein Weg, der Kreuzweg ist, von Anfang an, Kreuzweg von jenem Weg in den Tempel über Ägypten über nochmals in den Tempel mit dem Zwölfjährigen über die Trennung von ihm, der nicht mehr so handelt, dass sie es versteht, bis hin zur Weggabe am Kreuz. Was wir zu geben haben, ist scheinbar nur ein kleines: Er sagt uns nicht große Dinge, sondern er sagt uns: Füllt die Krüge mit Wasser. Er gibt uns ganz einfach sein kleines Wort für den Alltag. Wir müssen dieses Wort in die Tat umsetzen. Schritt um Schritt und Tag für Tag. Wir müssen das Kleine lieben, das auf unserem Weg liegt und hier ganz konkret uns in seinen Willen hineinstellen: das, was scheinbar keinen Sinn hat. Was sollen wir mit dem Wasser anfangen? Das Wasser macht es doch nicht besser, wenn es zu Wein wird. Unser kleines Leben wie Maria ihm geben, so daß dann daraus er den Wein in der göttlichen Fülle werden lassen kann. So wie Bernadette dieses Kleine getan hat, was der Herr durch Maria ihr sagte, und wie durch dieses kleine Leben die großen Wunder geschehen sind und das große Zeichen, wie er es uns geschenkt hat.

Wie können wir das fassen? Wie können wir vielleicht auf eine kleine Formel bringen, wie dieser Weg geht? Ich möchte es probieren in vier Sätzen, in vier Sätzen, die uns den Weg Mariens zeigen können. Erster Satz:     Was er euch sagt, das tut! Leben aus seinem Wort. Konkret glauben, dass wenn wir sein Wort tun, dass dann von ihm her etwas geschehen kann.

Das zweite, das, was Maria im Magnificat getan hat: Was er euch tut, das sagt! Nehmen wir sein Wort in uns und haben wir den Mut, einander mit unserem Leben und mit unserem Wort das zu bezeugen, was er tut. Lassen wir das Wort Gottes nicht sterben unter den tausend anderen Worten, sondern reden wir dieses Wort, sagen wir es einander, stärken wir einander im Glauben. Singen wir unser Magnificat, so dass auch die anderen froh werden und Gott mit uns preisen. Gott handelt, Gott ist da. Sprechen wir von ihm, bezeugen wir ihn: Was er euch tut, das sagt! Und dann werden wir wie Maria jeden annehmen.

Dritter Satz:         Was er euch gibt, das nehmt! Nehmen wir die Gnaden an, die er uns schenkt, nehmen wir sie in die Hände, leben wir mit ihnen, nehmen wir aber auch das Kreuz an, das Wasser der Armseligkeit, dass wir nichts sind, nehmen wir unser Schicksal an, unsere Ehe, unsere Krankheiten, unsere Not, die Last unserer Berufung. Nehmen wir an, was er uns gibt, und wenn wir es annehmen, dann wird es in uns zum Wasser und vom Wasser zum Wein der göttlichen Fülle. Wir können leben, und andere können leben.

Dann geschieht ein vierter Satz, jener Satz, der der entscheidende ist im Leben Mariens, dort, wo sie alles gegeben und losgelassen hat, ihren eigenen Sohn, und so unsere Mutter geworden ist: Was er euch nimmt, das gebt! Wenn wir immer kleiner und ärmer werden: geben wir es weg! Geben wir es in seine Hände, dann kann er das neue Ostern und das neue Pfingsten werden lassen. Gehen wir den Weg weiter – bislang einen Weg zu Maria und von jetzt an einen Weg mit Maria, und leben wir diese vier Botschaften:

1. Was er euch sagt, das tut!

2. Was er euch tut, das sagt!

3. Was er euch gibt, das nehmt!

4. Was er euch nimmt, das gebt!

Dann werden wir große Zeichen sehen, große Zeichen, so wie sie hier leuchten, sie werden leuchten in unserem Leben, in unserem Alltag.

Amen.

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